Die große Kunst, zu spät zu kommen.


In der Welt der Technik geht es immer nur um eins: der Erste zu sein. Vor allen anderen. Immer die neueste Technik, immer brandaktuell und am Puls der Zeit. Besonders in einer Zeit, in der Patente über das Schicksal ganzer Konzerne entscheiden, ist nichts wichtiger, als innovativ, unterstützt von aktueller Technik, nach Vorne zu gehen und den Konsumenten zu überzeugen.

Innovation für die Medizin

Diesen Grundsatz hatte sich im Jahre 2009 auch Dr. Sailesh Chutani zu Herzen genommen. Frisch aus seiner Führungsposition bei Microsoft verabschiedet, tüftelte Chutani an einem Ultraschallgerät herum, dass es Medizinern rund um die Welt ermöglichen sollte, Untersuchungen nur unterstützt durch ihre Smartphones, durchzuführen. Ein brillanter Einfall, meinte auch die versammelte Fachpresse.

Und so vergingen die Monate. Es wurde geforscht, getestet und entwickelt. Nach schweißtreibender Arbeit machte Chutanis Unternehmen Mobisante den finalen Schritt und legte das entwickelte Gerät, das auf den schönen Namen MobiUS hören sollte, der amerikanischen Prüfungsorganisation FDA vor. Nachdem das Gerät eingängig geprüft wurde, erteilte man nun im Jahre 2011 Dr. Sailesh Chutani und Mobisante die Erlaubnis, das Gerät auf dem medizinischen Markt zu vertreiben.
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Auf’s falsche Pferd gesetzt

Die Anfängliche Freude über die Zulassung, wenn sie überhaupt existiert hat, war schnell wieder getrübt. Mobisante hatte im Entwicklungsprozess einen entscheidenden Fehler gemacht. Einige von euch werde sich sicher an das Toshiba TG01 erinnern. Vor 2 Jahren war das 4.1″ Smartphone das erste mit einem 1GHz Snapdragon Prozessor und galt kurzfristig als das schnellste Smartphone der Welt. Das Telefon, dass mit dem vorsintflutlichen Windows Mobile 6.5 Betrieben wird, erfuhr einen relativ großen Hype in der Presse und so ist es nicht verwunderlich, dass Mobisante das Toshiba TG01 auserkor, als Plattform für ihre neueste Entwicklung zu fungieren. Diese Entscheidung hört sich heutzutage vielleicht etwas fragwürdig an, war aber im damaligen Kontext sehr gut nachzuvollziehen. Wer würde nicht in der Entwicklung neuer Technik auf das Beste Pferd im Stall setzen? Vielleicht war es allerdings etwas kurzsichtig von Mobisante, die für den tragbaren Ultraschallapparat benötigte Software auf Toshiba’s Smartphone zu beschränken.

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Hoffnung für kleinere Praxen

Genau das stellt nämlich jetzt das größte Problem für Chutani und Mobisante dar: Wie erreicht man mit einer neuen Entwicklung einen Massenmarkt, der das dafür notwendige Mobiltelefon schon lange vergessen hat? Ein kleiner Hoffnungsschimmer für das ambitionierte Projekt bilden Arztpraxen in ärmeren Gegenden, die sich die teuren Gerätschaften zur Anfertigung von Ultraschallaufnahmen nicht leisten können. Der tragbare Ultraschall schlägt nämlich nur für (im Vergleich) lächerliche $7495 zu Buche. Für diese Technik ein echtes Schnäppchen. Und sollte Mobisante es nicht schaffen, auch andere Plattformen wie Android, iOS oder Windows Phone 7 in ihr Projekt einzubinden, werden sich bei Ebay bestimmt noch ein paar günstige Toshiba TG01 finden, die man dem Käufer als kleine Dreingabe mitgeben kann.

Zum Schluss wollen wir euch noch ein Video zeigen, dass die doch beeindruckenden Fähigkeiten der Software unter Beweis stellt.

Daumen hoch für dieses Projekt, Dr. Chutani! Das nächste Mal bitte mit etwas mehr Weitblick.

Das Video kann zur Zeit leider nicht gestartet werden. Bitte versuche es später noch einmal.

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Verfasst von:

Matze berichtet ebenfalls als freier Autor für die Redaktion von Tablettest.net und bereichert diese mit zahlreichen und gründlich recherchierten News aus der mobilen Szene.

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  • Andreas

    Eigentlich echt eine super Innovation des Herrn Chutani. Wäre doch super blöd, wenn das an einer Portierung auf Android, iOS oder ne aktuellere Windows Phone 7 Version scheitern würde.