Wie weit ist meilenweit – Apple und die Konkurrenz


Natürlich habe auch ich die Keynote letzten Mittwoch live verfolgt und natürlich war ich relativ gespannt auf Apples neueste iPad Generation. Zugegeben, gespannt war ich eigentlich mehr darauf, ob sich die unzähligen Annahmen und Gerüchte im Vorfeld bewahrheiten würden.

Nach der Präsentation, etwa gegen halb 9 Ortszeit, saß ich in meinem Bürostuhl und dachte mir: „So sieht es also aus, wenn man innerhalb von einer Stunde und 25 Minuten die Konkurrenz für weitere 5 Jahre abhängt.

Viele werden mir hierbei nicht zustimmen, das ist mir bewusst. Auch ich habe die Stimmen nach der Keynote gelesen und gehört, die nur von „kleinen Verbesserungen“ und „nicht besonders innovativen“ Neuerungen sprachen. Sogar mancher Fernsehsender war sich nicht zu fein, zur besten Sendezeit über das neue iPad zu berichten und dabei dem Zuschauer zu versichern, dass es gar nicht so toll ist, wie alle meinen. Immerhin gab es nur ein Retina Display, eine bessere Kamera und LTE, das bei uns niemand kennt. Was diese Displaytechnologie für das iPad und nicht zuletzt für Apple bedeutet, scheinen die wenigsten wirklich zu erkennen. Es bedeutet schlicht und ergreifend die Vorherrschaft auf dem Erstkäufermarkt. So einfach ist das.

Ein Display, sie zu knechten…

Erinnern wir uns kurz zurück.

Im Juni 2010 kündigte Apple das iPhone 4 an und mit ihm eine Technologie, die man „Retina Display“ nannte. Apples Rechnung auf der Bühne mit Pixeln und der Entfernung, in der man das Telefon im Idealfall von sich weg halten musste, wurden schnell nach der damaligen Präsentation von den Medien, on- und offline, zerpflückt und manchmal auch ins Lächerliche gezogen. Doch in einem waren sich alle einig: das Retina Display war das beste Display auf dem Markt.

Und genau das ist es auch heute noch. Sicherlich, es gibt AMOLED, SuperAMOLED, etc und das sind alles ganz tolle Displays mit beeindruckender Schärfe und Farbwiedergabe, aber sie reichen einfach nicht an ein Retina Display heran.

Das bedeutet im Umkehrschluss also, dass es Apples Kontrahenten in 2 Kalenderjahren nicht geschafft haben, ein echtes Konkurrenzprodukt zum Retina Display zu entwickeln. Da war es auch nicht verwunderlich, dass das Retina Display das meist geforderte Feature war, welches im neuen iPad realisiert werden sollte. Jetzt hat Apple also die Gebete der Fangemeinde erhört und die Auflösung des neuen iPad auf 2048×1532 hochgeschraubt.

Ein großer Schritt für die Einen, eine Enttäuschung für die Anderen. Denn ausser dem neuen Display sind kaum technische Details bekannt gegeben worden. Hat das neue iPad mehr Arbeitspeicher als der Vorgänger? Wie sieht es mit der Taktfrequenz des Prozessors aus und viele Kerne hat dieser eigentlich? Fragen über Fragen, die den Käufer eigentlich nicht interessieren sollten. Von Interesse sollte vielmehr die Gesamtperformance sein. Die „user experience“ wie es so schön amerikanisch heißt. Warum sollte es den Nutzer kümmern, ob das Tablet mit 1,5GHz oder „nur“ mit 1GHz läuft, wenn alles flüssig funktioniert und Spaß macht? Wirklich wichtig scheinen die technischen Spezifikationen der iOS Produkte nur für die Konkurrenz zu sein, weil das der einzige Punkt ist, in dem man Apple scheinbar überbieten kann. Bis jetzt. Geht es um das Display, hat es die Konkurrenz nicht so leicht, einfach ein paar Zahlen drauf zu legen und den Käufer einfach damit zu erschlagen. Das Retina Display ist Apples Alleinstellungsmerkmal auf dem Tabletmarkt und wird es auch noch lange Zeit bleiben. Der neue A5X Chip hebt die Performance ebenfalls auf eine Stufe mit den anderen Anbietern, wenn nicht sogar eine oder zwei höher.

Ehemals ein Hindernis, heute Verkaufsargument – der Preis

Die Geschichte der Apple Hardware war immer gezeichnet von qualitativ hochwertigen Geräten zu leider ziemlich gesalzenen Preisen. Dies wurde bereits vor einigen Jahren widerlegt, allerdings muss Apple sich immer noch an diesem weitläufig verbreiteten Vorurteil messen lassen. Apple Hardware ist überteuert. Das Hört man so ziemlich in der Mitte jeder Diskussion über das Unternehmen aus Cupertino, Kalifornien.

Das iPad war zwar immer im obersten Bereich der Preisskala angesiedelt, doch nie der teuerste Vertreter seiner Zunft. Das neue iPad ist jetzt sogar für 20€ weniger als sein Vorgänger zu haben und macht mit 479€ ordentlich Druck auf die Konkurrenz. Mit dem Retina Display in Petto muss es den Preisvergleich weder im lokalen Elektrofachmarkt noch online fürchten.

Es gibt im Moment einfach keinen Grund, sich kein iPad zu kaufen, ausser vielleicht man will mit Apple partout nichts zu tun haben und verabscheut die iOS Plattform.

Und das, liebe Leute, ist der Kern der Sache: geht Herr Otto Normal ab dem 16. März in einen Elektromarkt in Deutschland, mit der Absicht, sich ein Tablet zu kaufen, wird er dort, vorausgesetzt der Laden ist entsprechend sortiert, aufgereiht, wie Hühner auf der Stange, Tablets sehen. Und mittendrin das iPad. Und dieses iPad wird er allen anderen Tablets vorziehen. Warum? Weil es das schönste Display hat und genau so viel, oder sogar weniger kostet, als die Geräte, neben denen es ausgestellt ist. Und sollte man in naher Zukunft nicht Galaxy Tabs und Tablets ähnlicher Qualität für weniger als 400€ kaufen können, wird sich daran auch nie etwas ändern.

Ausgenommen sind hier natürlich die Fälle, in denen der Käufer nach einem anderen Formfaktor oder einer Billigvariante sucht.

Es stellt sich also heraus, dass das Retina Display viel mehr für Apple Bedeutet, als ein kleines Hardware Update. Vielmehr bedeutet es die Spitze der Nahrungskette der Tablet-Industrie für die kommenden Jahre.

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Verfasst von:

Matze berichtet ebenfalls als freier Autor für die Redaktion von Tablettest.net und bereichert diese mit zahlreichen und gründlich recherchierten News aus der mobilen Szene.

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